
Bachflohkrebse
Haustiere der besonderen Art
Biomonitoring
Trotz modernster Messtechnik können Mikroverunreinigungen weder erkannt noch aus dem Abwasser entfernt werden. Deshalb testet Limeco seit Herbst 2011 das Biomonitoring mit Gammariden, nur Millimeter grossen Flohkrebsen: Ihr Verhalten lässt Rückschlüsse zu auf Spurenstoffe wie Hormone oder Rückstände von Medikamenten, die Wasserlebewesen dauerhaft schädigen können.
«Ich habe in den letzten Jahren in Sachen Biologie unglaublich viel gelernt», sagt Christian Bühler. Seit 2006 ist er der Leiter der Abwasserreinigungsanlage (ARA) in Dietikon, davor arbeitete er in der Lebensmittelbranche. Bei Limeco hat er erkannt, wie wichtig winzige Lebewesen sind. In der Reinigung des Abwassers nehmen Ein- und Mehrzeller nämlich wichtige Funktionen wahr. Nach der mechanischen findet die chemische Reinigung statt und danach die biologische. Hier reinigen Millionen von Mikroorganismen das Abwasser und wandeln giftige Stoffe in ungiftige um.
Auch eine Liebesgeschichte
Entscheidend für die guten Lebensbedingungen der Winzlinge ist eine präzise Messtechnik. «Im Winter wird viel Salz in die Anlage geschwemmt. Bei einer Überdosis können die Mikroorganismen rasch sterben», erklärt Bühler. Auch zu viel Zucker hat negative Folgen: «Weil sich alle Tiere
darauf stürzen, werden andere Stoffe kaum mehr abgebaut.» Die ständige Prüfung sei unumgänglich, sagt Bühler. Gemeinsam mit der auf Messtechnik spezialisierten Unimon GmbH mit Sitz in Bergdietikon hat Limeco ein ausgeklügeltes System entwickelt, um die Qualität des Abwassers jederzeit unter Kontrolle zu halten. Im Rahmen dieser Zusammenarbeit hat Christian Bühler seine Frau Martina Hofer kennengelernt. Die beiden haben nicht nur in der ARA geheiratet, sie haben auch eine einzigartige Endkontrolle ins Leben gerufen: Nur Millimeter grosse Bachflohkrebse kontrollieren das gereinigte Abwasser ein letztes Mal, bevor es in die Limmat fliesst.
Weltweit einzigartig
Das von der deutschen Wissenschaftlerin Almut Gerhardt (Limco International GmbH) entwickelte Spezialgerät heisst «Multispecies Freshwater Biomonitor». Das Prinzip ist einfach: «Wir nehmen ökologisch bedeutende Organismen aus einem Gewässer und setzen sie in kleine Röhrchen, durch die gereinigtes Abwasser fliesst. Hat es zu viele Giftstoffe im Wasser, zeigen die Tiere deutliche Anzeichen von Stress», erklärt Gerhardt. Seit Herbst 2011 testet Limeco das Verfahren. Alle zwei Wochen kontrolliert Almut Gerhardt Kolonie und Messapparatur, die Ergebnisse seien bis jetzt sehr gut. Stammten die ersten Bachflohkrebse noch aus der Limmat, betreibt Christian Bühler inzwischen eine eigene kleine Zucht.
Das Biomonitoring ist nicht zwingend, die Reinigung des Limmattaler Abwassers erfüllt auch so alle nationalen und internationalen Richtlinien. Aber: «Wir
wollen die Wasserqualität ständig verbessern, die Krebse helfen uns dabei», sagt Bühler. Die sensiblen Tiere zeigen Verunreinigungen an, wo kein Messgerät
ausschlägt. «Später einmal», so Almut Gerhardt, «können wir auch andere Arten wie etwa Köcherfliegen einbinden.» Christian Bühler ist dankbar, dass der Verwaltungsrat das Projekt mit Almut Gerhardt bewilligt hat: «Das ist eine Innovation im Rahmen der Wasseraufbereitung!» Die ARA in Dietikon ist weltweit die erste kommunale Abwasserreinigungsanlage, die das Verfahren anwendet.
Starke Winzlinge
Sie sehen aus wie aus einer anderen Welt: Kleinstlebewesen wie das ungaubliche Bärtierchen sind die heimlichen Stars Abwasserreinigung. Millionen von Bakterien und winzige Räder-, Nessel- oder Wimperntierechen ernähren sich von dem, was Sie die Toilette runterspülen – und reinigen so das Limmattaler Abwasser. «Unsere Mikroorganismen unterscheiden sich nicht gross von einer Hauskatze», verrät ARA-Leiter Christian Bühler. «Auch sie habens gerne warm und gemütlich und schätzen gutes Futter.»




